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Einlauf in der Medizingeschichte

Klistiere gehören zu den ältesten Instrumenten in der Heilkunst.

Darmspülungen - eine altbewährte Tradition

Klistierspritze für Darmspülungen aus Messing, Stöpselgriff aus Holz, 18. Jahrhundert, 31 cm (Medizinhistorisches Museum der Universität Zürich)

Der Begriff Klistier leitet sich aus dem Griechischen (klysteer = Spüler bzw. klysterion = Reinigung) ab. In der altägyptischen Medizin war der Gebrauch von Klistieren sehr verbreitet. Sie wurden vor allem bei Magen-Darm-Erkran­kungen eingesetzt, die mit Ver­stopfung einhergingen, aber auch bei anderen Krankheiten - z. B. der Leber oder bei Fieber , bei denen man sich durch Reini­gung des Körpers Besserung versprach.( Darmspülungen) Nach Vorstellung der alten Ägypter verließen Krank­heitsdämonen den Körper über den After; aus diesem Grunde wurde der Arzt für Innere Medi­zin häufig als „Hirt des Afters" bezeichnet.

Klistiere wurden aber auch prophylaktisch durchgeführt, denn man ging davon aus, dass überflüssiger Ballast regelmässig aus dem Körper herausbeför­dert werden müsse, um die Gesundheit zu erhalten.

Auch in der griechischen Medi­zin war das Klistier als therapeu­tisch bedeutsames Instrument bekannt. Nach der Vorstellung des Hippokrates von Kos (460-377 v. Chr.) beruhte die Ge­sundheit auf dem Gleichgewicht der Körpersäfte, was insbeson­dere für die Verdauungsorgane galt. Verstopfung war ein Zeichen dafür, dass sich die Körper­säfte nicht im Gleichgewicht be­fanden. Das Darmklistier sollte dem Magen-Darm-Trakt verdor­bene, krankmachende und überschüssige Säfte entziehen.

Die antiken Ärzte empfahlen speziell für die Sommermonate, regelmäßig mit Salzwasser zu klistieren, um auf diese Weise den Körper zu „entschlacken".

Die hippokratische Medizin beeinflusste das therapeutische Handeln bis ins 19. Jahrhun­dert. Daher waren Darmspü­lungen, Aderlass und Schröpfen in dieser Zeit die am häufigsten angewandten therapeutischen und prophylaktischen Verfah­ren.

Mit der Abkehr von der Säfte­lehre Mitte des 19. Jahrhun­derts verloren die Darmspülungen, und mit ihr auch andere Ausleitungsverfahren, allmäh­lich an Bedeutung.

Elemente aus der Säftelehre fanden jedoch Eingang in die Naturheilkunde, die sich im selben Jahrhundert in Abgren­zung zur Schulmedizin ent­wickelte. So gehen Naturheil­mediziner bis heute davon aus, dass es bei Verstopfung zu einer Selbstvergiftung des Kör­pers kommt.

Diese mit­telalter­liche Dar­stellung zeigt einen Arzt, der dem Pati­enten mit­tels eines Trichters einen Einlauf verab­reicht.

 

 

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